Meditation

„Die Meditation lehrt uns, wie wir loslassen und inmitten des Wandels in unserer Mitte bleiben können. Wenn wir erst einmal eingesehen haben, dass alles unbeständig ist und wir es nicht festhalten können und dass wir eine gewaltige Menge Leid auf uns ziehen, wenn wir daran haften, dass die Dinge gleich bleiben, dann erkennen wir auch, dass die klügere Art zu leben darin besteht, sich zu entspannen und loszulassen.“

Jack Kornfield

Diese Aussage von Jack Kornfied, einem amerikanischen Meditationslehrer, heißt nicht – sich zu entspannen, loszulassen und nichts zu tun, sondern entspannen, loszulassen und sich zu engagieren. Der Dalai Lama schrieb „Veränderung wird nur hervorgerufen durch aktives Handeln, nicht durch Meditation oder Beten allein.“
Als ich 1988 einen tibetischen Lehrer kennen lernte, berührte mich seine friedliche und herzliche Ausstrahlung. Das inspirierte mich mit dem meditieren zu beginnen. Ich wusste nichts über den Buddhismus, doch das was ich spürte, machte mich neugierig auf diesen spirituellen Weg.

Mein Lebensthema ist – wie kommt Innen und Außen zusammen?
Denn schon als junger Mensch engagierte ich mich gegen Ungerechtigkeit, Umweltverschmutzung und -zerstörung, Atomkraft und Kriege. Anstrengend und Kräftezehrend. Das Praktizieren von Meditation half mir, nicht auszubrennen. Ich übe mich darin wahrzunehmen, was mein Körper empfindet und was für Bewegungen in meinem Geist aktiv sind. Durch dieses gewahr Sein „verstehe“ ich mich immer besser und nahm und nehme auch meine Grenzen wahr. Ich spüre, wann ein Ein- oder ein Ausatmen dran ist – damit meine ich, wann Selbstfürsorge und wann ein Engagement im Außen. Das ist ein individueller Rhythmus, den zu kennen wichtig ist, um in Balance mit meinen körperlichen und geistigen Kräften zu bleiben.

Engagierter Buddhismus
Im Laufe meines Übungsweges lernte ich dann auch den engagierten Buddhismus kennen. Diesen Begriff hat der vietnamesische Zen-Lehrer Thich Nhat Hanh geprägt. Für ihn war es klar, dass Meditation nicht nur auf dem Kissen stattfindet, sondern sich im Engagement in der Gesellschaft ausdrückt. Er prägte auch den Begriff „Interbeing“, was bedeutet, dass Alles mit allem verbunden ist. Von daher: alles was ich tue oder auch nicht tue, wirkt sich aus im großen Ganzen und trägt zum lebensförderlichen oder lebenszerstörerischen bei.

David R. Loy, ein amerikanischer Meditationslehrer, schrieb 2018 das Buch Ecodharma. Darin beschreibt er den Zusammenhang von äußeren und inneren Krisen und die Not-wendigkeit, die innere Bewusstwerdung mit dem ökologischen und sozialen Engagement zu verknüpfen.

Meine Lehrerin Joanna Macy, die ich 1998 kennenlernte und seitdem viel mit ihr arbeiten und von ihr lernen durfte, ist Praktizierende auf dem buddhistischen Weg. Die Arbeit der Tiefenökologie oder The Work that Reconnects basiert auf der Geisteshaltung von Mitgefühl und Einsicht. Wenn ein mitfühlendes warmes Herz und die klare, kühle Einsicht des Verstandes zusammen kommen entsteht ein Handeln aus dem HerzVerstand. Ein Handeln aus einem Bewusstsein für das Ganze.

Meine Ausrichtung
Für mich gehören innere Bewusstwerdung und ökologisches und soziales Engagement zusammen wie zwei Seiten einer Münze. In welcher spirituellen Ausrichtung sie praktiziert werden, spielt für mich keine Rolle.

Ich habe den buddhistischen Weg kennen und lieben gelernt. Er unterstützt mich in Balance zu bleiben, das Ein- wie auch das Ausatmen nicht zu vergessen, zu üben ganz im JETZT zu leben und die Vergänglichkeit wertzuschätzen.

Da ich gerne dazu lerne habe ich 2023 eine dreijährige Weiterbildung in „Essenzieller Psychotherapie“ begonnen. Sie verbindet die Weisheiten der buddhistischen Geistesschulung mit tiefenpsychologisch fundierten westlichen Psychotherapiemethoden. Für mich ein weiterer Weg dem ganzheitlichen Sein ein Stückchen näher zu kommen.

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